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Die Eule Morgentau

Von Burkhard Paul Warnke

Die Eule Morgentau

In Rammelsberg, im Oberharz,
da wohnte einst ein strenger Meister.
Die Weste weiß, die Seele schwarz,
im Bunde war'n mit ihm die Geister.
Sie waren böse, denn sie machten
Bergmeister Hermann völlig irr,
worüber sie noch höllisch lachten
für sowas hatten sie Gespür.

Der Meister ließ die Bergleut' schuften
zehn Stunden täglich, einerlei.
Er selber hielt mehr vom Verduften,
die Arbeit, dacht' er, macht nicht frei.
Wenn mal ein Bergmann Schmerzen hatte,
so musste er zur Arbeit gehn.
Der Meister schimpfte: "Freche Ratte!"
Und ließ den Mann im Regen stehn.
Blieb gar ein Bergmann krank zu Haus,
so durft' er dafür bitter büßen
Der Meister schmiss ihn sogleich raus,
das mit den allerbesten Grüßen.
Den bösen Geistern dies gefiel,
das war so ganz in ihrem Sinne.
Denn Bosheit blieb ihr höchstes Ziel,
damit der Teufel stets gewinne.
Wenn eine Bergmannsfrau dann starb,
konnt' nicht ihr Mann zum Friedhof gehen.
Er durfte nicht mal an ihr Grab,
Wer war bereit, das zu verstehen?
Der Meister fluchte noch und sagte
"Du musst zur Arbeit gehen, Mann!"
Und wenn der Witwer dies beklagte,
warf ihn der Meister raus sodann.
Als einmal alle warn zusammen
bei schwerer Arbeit tief im Schacht,
da taten sie den Chef verdammen
in ihrem Elend, in der Nacht.
"Der Berggeist soll den Meister holen
der hat's verdient, das ist ganz klar.
Verflucht sei er samt seiner Kohlen,
ja, ohne ihn wär's wunderbar!"

Der Meister prüfte Lagerstätten
um die Erträge zu erhöhn.
Er liebte den Profit, den fetten,
ließ sich in dem Gelände sehn.
Als er dann müde von der Suche,
legt er sich auf die Wiese hin
und träumte, dass er schnell verbuche
den allergrößten Berggewinn.
Seht da, ein feines Blümlein
reckte aus bunter Wiese seinen Kopf
und wuchs und wuchs, bis es entdeckte
der böse Meister, dieser Tropf.
Als nun der Meister jäh erwachte
aus seinem Traume im Revier,
brach er die Blume, weil er dachte,
dies schöne Blümlein gehört mir.

Kaum hatte er sie abgebrochen,
erschien die Eule Morgentau,
hatte der Braten gleich gerochen,
fragte den Meister streng und schlau:
"Weißt du denn nicht, dass nur ein rechter,
ein guter Mensch das Blümlein bricht?"
"Du Eule, ich bin doch kein Schlechter,
die Frage hat doch kein Gewicht."
Die Eule sprach: "Die Bergleut schelten,
du schindest alle Tag für Tag."
"Die Bergleut' wollen bloß was gelten,
und niemand gute Arbeit mag.
Im übrigen", so sprach der Meister,
geh ich zur Kirche, das ist wahr ..."
Da lachten alle bösen Geister.
War dieser Schelm nicht sonderbar?
"So folge mir", bat nun die Eule.
"vergiss die schöne Blume nicht!"
und schaute, dass sie noch verweule,
denn Hasten, nein, das lag ihr nicht.
Der Meister rollte mit den Augen
und dacht' "die hat nen Schatz für mich.
Mag sein, dass Eulen doch was taugen,
wenn nicht, straf' ich sie fürchterlich."



Die Eule führte drauf den Meister
durch tiefe Schluchten, durch ein Tal.
Und wieder lachten alle Geister,
denn für den Meister wurd's zur Qual.
"Halt an! Halt an! Du freche Eule.
Wo führst du mich zum Teufel hin?"
"0 Meister, siehest du diese Säule?
Dahinter wartet dein Gewinn." D
er Meister konnt es kaum erwarten
am Ziel der Wanderung zu sein.
Er dacht', er hätte gute Karten.
Die Eule ließ ihn jetzt allein.
Er stieß auf eine Tür aus Eisen
und zog an ihr, doch sie blieb zu.
Er wollte seine Kraft beweisen,
die Türe raubte ihm die Ruh.
"Geh' auf! Geh' auf! Du dumme Türe!
Wo ist mein Schatz, wo mein Gewinn?"
Da halfen keine Zauberschwüre,
ihm kam die Blume in den Sinn.
Er hielt sie an die Tür, die schwere,
die sich mit einmal öffnen ließ,
gewahrte so der Gänge Leere
als führten sie ihn ins Verließ.

Und nach der Leere folgte Fülle
Wie strahlte es aus dem Verhau!
Damit sein Wunsch sich rasch erfülle.
Ein Hoch auf Eule Morgentau!
Der Meister jauchzte und er hüpfte
Die Habgier übermannte schnell.
Gold sah er, Gold! Des Reichtums Düfte
betäubten ihn nun auf der Stell'.
Gold, Edelsteine und Geschmeide ...
auch an den Wänden, überall!
Das war die größte Augenweide,
und in der Tat ein Sonderfall.
Der Meister stopfte voll die Taschen,
er füllte sogar seinen Hut.
Er nahm, was er nur konnt' erhaschen.
Das Gold! Das Gold! Wie war es gut.
Er wollte schon zum Ausgang gehen,
die Taschen, Stiefel voller Gold,
da ließ die Eule sich rasch sehen,
sprach drauf zum Meister, dem Unhold:
"Das Beste, das hast du vergessen,
die Blume, die du grad zertratst.
Versuche, Tor, dein Gold zu essen,
ich sehe zu, wenn du dran nagst.
Die Schätze sind dein ein und alles,
drum schließe ich dich hiermit ein.
Versteh, für den Fall des Falles
wirst du hier gut geborgen sein."
"Verflixte Eule, du gemeine!
Soll ich krepieren, ist es wahr?
Willst du das Gold nicht, dieses feine?
Ich schenk dir alles, sonnenklar!
Nur lass mich raus aus dem Gefängnis,
brauch' keine Schätze, abgemacht,
gerate schon in arg Bedrängnis,
schlag ein, so hab' ich's ausgedacht."
"So hast du falsch gedacht, o Meister
Die Schätze werden jetzt dein Grab."
So freuten sich die guten Geister .
Die Bergleut' brachte es auf Trab.
Da half kein Klagen und kein Stöhnen.
Der Meister, der kam nicht mehr frei
Konnt' an sein Grab sich nicht gewöhnen,
den Bergleut' schien dies einerlei.

Noch heute, sagt man an dem Orte,
dringt oft ein Wimmern aus dem Berg.
Der Meister ist's? ganz ohne Worte,
der Eule Morgentau ihr Werk.


© Copyright: Burkhard Paul Warnke (2007).

Ich bedanke mich herzlich für die Zusendung dieser Geschichte in Versen!

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